Die technischen Probleme

von Andreas Schulz

Die alte Bahntrasse von Leutkirch nach Isny ist abgebaut, entwidmet und in Leutkirch, Isny und an einigen Stellen dazwischen zugebaut. Hieraus wird immer wieder geschlossen, dass die Reaktivierung der Bahnstrecke zu erheblichen, fast unlösbaren Problemen führt. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Dies liegt daran, dass wir uns nicht unbedingt eine klassische Bahnstrecke vorstellen, wie zum Beispiel die Linie von Memmingen über Leutkirch nach Lindau, die gerade ausgebaut und elektrifiziert wurde und seit Mitte Dezember 2020 mit Intercitys und Geschwindigkeiten bis 160 km/h befahren wird. Hier wäre es in der Tat nicht ganz einfach, eine solche Strecke von Leutkirch nach Isny zu planen.

Das ist aber auch nicht nötig. Die Bahn-Technik hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. So gibt es jetzt Bahnen, die sowohl nach der Straßenverkehrsordnung fahren können, also ähnlich wie Straßenbahnen, als auch auf klassischen Bahnstrecken wie Memmingen – Lindau. Diese Züge haben z.B. Blinker, Rück- und Bremslichter und Rückspiegel wie Busse und eine wesentlich stärkere Bremse nach den Anforderungen des Straßenverkehrs. Diese Bahnen können damit praktisch überall dort fahren, wo auch Busse fahren können.

Man spricht hier auch vom „Karlsruher Modell“, weil diese Technologie in Karlsruhe entwickelt und dort mittlerweile im großen Stil sehr erfolgreich im Stadt- und Überlandverkehr eingesetzt wird. Mittlerweile gibt es zahlreiche Nachfolgeprojekte, so zum Beispiel im Saarland, in Mittelsachsen (Chemnitz), Nordhessen (Kassel) und auch im Ausland, z.B. im Elsass (Mulhouse). In Frankreich spricht man recht treffend von „Tram-Train“, eine Bezeichnung, die mittlerweile auch bei uns verwendet wird. Weitere Tram-Train-Projekte sind in Planung, so zum Beispiel im Bereich Tübingen/Reutlingen (Regional-Stadtbahn Neckar-Alb) oder im Salzburger Land.

Zur Zeit haben sich international 6 Bahnen zusammengeschlossen und schreiben zusammen über 500 derartige Züge aus, was einen günstigen Einkaufspreis verspricht. Das Design-Studio TRICON AG hat hierzu bereits einen Vorschlag für eine elegante Gestaltung der Fahrzeuge entwickelt (Bild).

Bild:

Tricon AG

Derartige Fahrzeuge können auch sehr enge Kurven durchfahren mit Radien bis hinunter auf 25m. Damit können vorhandene Bebauungen, wie das Einkaufszentrum in Leutkirch, einfach umfahren werden. In Isny wird es möglich, das Gewerbegebiet optimal zentral zu erschließen. Nach unserer ersten Einschätzung müsste es dabei in Leutkirch wie in Isny jeweils mehrere technisch machbare Varianten geben. Uns gefällt hier der Vorschlag des Landesverkehrsministeriums, die verschiedenen Möglichkeiten im Rahmen einer sogenannten „Machbarkeitsstudie“ durch ein unabhängiges Ingenieurbüro untersuchen und vergleichen zu lassen. Solche Studien, die erfahrungsgemäß zwischen 50 000 und 100 000 € kosten, fördert das Land noch bis 2023 mit 75%, max. jedoch mit 75 000 €. Anträge hierzu müssen bis Ende 2021 eingereicht werden. Die Ergebnisse müssen dann mit den betroffenen Anliegern und Bürgern gründlich erörtert werden, um eine attraktive, bezahlbare und möglichst konsensfähige Trasse zu finden.

Wir sind in dieser Trassenfrage zurzeit grundsätzlich offen und nicht festgelegt. In jedem Fall empfehlen wir aber, die Trasse an die vorhandene Bahnstrecke in Leutkirch anzuschließen, so dass auch durchgehende Züge von Isny nach Memmingen oder Aulendorf möglich sind. Wie schon erwähnt, sind diese Fahrzeuge in der Lage, wie ganz normale Eisenbahnen auch auf klassischen Bahnstrecken zu fahren.

Dass die alte Strecke entwidmet ist, hat zunächst den Nachteil, dass für den Wiederaufbau ein Planfeststellungsverfahren erforderlich ist, evtl. auch ein Raumordnungsverfahren. Rein rechtlich handelt es sich damit nicht um eine Reaktivierung, sondern eine Neubaustrecke. Andererseits hat dies den Vorteil, dass man bei der Planung nicht an die alte Trasse gebunden ist, sondern auch eine neue Trasse wählen kann. Dies bietet sich bei Leutkirch – Isny geradezu an, da die alte Trasse zum Teil recht ortsfern lag. Zum Beispiel könnten mit einer neuen Trasse auch der CenterParcs und die Kurkliniken in Neutrauchburg fußläufig angebunden werden oder auch Friesenhofen und Rohrdorf, wo der alte Bahnhof bzw. der Haltepunkt Aigeltshofen weit außerhalb der Orte lagen.

Ein Nachteil der Straßenbahn-Technologie soll nicht verschwiegen werden: Klassische Güterzüge sind nicht ohne Weiteres möglich. Da Isny auch ein erhebliches Aufkommen an Gütern hat, das derzeit den Straßenverkehr belastet, und im Zuge des Klimaschutzes angestrebt wird, möglichst viele Güter auf die Bahn zu verlagern, sollte dies Thema nicht von vornherein ausgeklammert werden. Wir empfehlen deshalb, im Rahmen der Machbarkeitsstudie auch die Möglichkeiten, Güter auf die Schiene zu verlagern, prüfen zu lassen.

Unabhängig davon sind wir sehr zuversichtlich, dass die technischen Probleme gut gelöst werden können.

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