Schnapsidee?

von Benedikt Olbricht

Als im Herbst 2019 die Idee zur Reaktivierung der Bahnstrecke Leutkirch – Isny wuchs, ging es in den Nachrichten fast täglich um den Klimawandel, den Klimaschutz und um Milliardeninvestitionen der DB ins Streckennetz zum Ausbau des Personen- und Güterverkehrs.

Doch dann kam Corona und eroberte mit seiner ganzen Problematik die Nachrichten und die Gesprächsthemen veränderten sich.

So werden wir jetzt manchmal gefragt: „Habt ihr eigentlich keine anderen Sorgen? Woher soll in dieser Zeit das ganze Geld kommen? Was für eine Schnapsidee!“

Und das kann man sich natürlich fragen, aber grundsätzlich hat sich an der Ausgangslage nichts verändert. Der Klimawandel schreitet unbeirrt voran, denn 2020 war das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 und das dritte Dürrejahr in Folge.

So waren wir sehr erfreut, als am 03.11.2020 Verkehrsminister Hermann bei einer großen Pressekonferenz zu den Reaktivierungsplänen nochmals das Ziel ausgegeben hat Baden-Württemberg zum Schienenland Nr.1 in Deutschland zu machen und gleichzeitig die Förderungen zur Planung, Bau und Betrieb nochmals erhöht hat (dazu werden wir hier noch einen speziellen Beitrag veröffentlichen).

Auch die EU insgesamt plant eine tiefgreifende Mobilitätswende, angefangen beim massiven Ausbau des Personen- und Güterverkehrs durch Ausbau des Schienennetzes und CO2 freie Antriebsarten für die Mobilität. Die Vorboten werden wir alle schon ab 01.01.2021 bemerken, wenn dann kontinuierlich die Preise für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas erhöht werden.

Wie der Staat diese Mehreinnahmen verwendet und für was er sie einsetzt ist bis jetzt noch nicht veröffentlicht.

Auf jeden Fall wird die Mobilitätswende früher oder später kommen und allein die Erhöhung der Spritpreise ist eine schlechte Nachricht für den ländlichen Raum. Denn auch laut Schwäbischer Zeitung vom 03.12.2020 ist das Auto aus Mangel an Alternativen das Fortbewegungsmittel Nummer eins (Artikel: „Südwesten kann auf das Auto nicht verzichten“).

Aktuell hat Isny mit seinen 14500 Einwohnern, Tendenz steigend, keinen Bahnanschluss was sich für die Zukunft eigentlich nicht gut anhört. Gleichzeitig könnten die Rahmenbedingungen für eine Reaktivierung nicht besser sein, deshalb wäre es aus unserer Sicht unverständlich, wenn man diese aktuelle Chance nicht ergreifen würde.

Die finanziellen Fördermittel stehen bereit. Technisch und planerisch ist die Topographie sehr günstig und mit verschiedenen Varianten machbar (auch dazu werden wir noch einen speziellen Beitrag hier veröffentlichen).

Ein Bahnanschluss für Isny ist keine Schnapsidee, er ist möglich !

Was allerdings als wichtiger erster Schritt noch fehlt, ist eine gründliche Potenzialuntersuchung, bei der die täglichen Fahrgastzahlen im Vorfeld durch Statistiken, Einwohnerzahlen, Schülerzahlen, Pendlerverkehr, etc. annähernd ermittelt werden. Ab einer täglichen Fahrgastzahl von 750 Personen, was uns ein Fachmann im Vorfeld schon bei dieser Strecke bestätigt hat, landet die Strecke in der Kategorie B des Landesverkehrsministeriums und hätte beste Chancen auf eine maximale Förderung.

Wir hoffen nun, dass diese Untersuchung im Zuge des Ringzugkonzeptes unseres Landrates, welches genau die gleichen Ziele anstrebt, durchgeführt und diese Chance für Isny, Leutkirch und den Gemeinden doch noch ergriffen wird. Gleichzeitig hoffen wir noch viele Menschen im Einzugsbereich dieser Bahnlinie für die Reaktivierung begeistern zu können. Letztendlich liegt es auch an uns selbst inwiefern wir diese Möglichkeit für die Zukunft einfordern!

Und wer könnte schon einen oder mehrere Allgäuer aufhalten, selbst wenn sie eine Schnapsidee hätten…

Unterstützer sind herzlich willkommen genauso wie positives und kritisches Feedback.

Schöne Weihnachten, auch wenn dieses Jahr vieles anders ist.

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